Eis auf den Gardinen

Die Stimmung sei trotz der engen Wohnung hervorragend, dachte Becker, obwohl die vereisten Gardinen im Wohnzimmer für Unruhe unter den Gästen sorgten. Der Bürgermeister und seine Eminenzen waren da, ein ergrauter Tierbändiger aus dem Nachbardorf, den Becker von früher kannte, und einige aus Beckers aktuellem Bekanntenkreis. Die Räume waren in weiches, nicht zu helles Licht getaucht Das Licht war weich und nicht zu hell, wie man es sich in einem Drogenkeller vorstellte. Die Beine der hölzernen Tische, auf denen Papiertischdecken lagen, zerkratzten das Parkett, weil diese von übermütigen Gästen, die Sektgläser schwenkten und sich in dreckigen Lachen gebärdeten, hin- und hergeschoben wurden wie ein verachtetes Kind.Übermütige Gäste, die lachend Sektgläser schwenkten, zerkratzten das Parkett, indem sie die hölzernen Tische, auf denen Papiertischdecken lagen, ruckartig hin- und herschoben. NunBecker wrang Becker sein Leinenhemd über der Spüle aus, während eine Freundin ihn vom Kühlschrank aus beobachtete und einen Löffel vom Salat nahm. Weil Becker eine Essenswollust entwickeln konnte, wenn eine Frau so aß, die er außerdem begehrte, machte ihn das nervös. „Das Eis auf den Gardinen“, sagte die Freundin. Becker fragte, was damit sei. „Wie kommt es, dass es nicht taut, wo doch die Heizung läuft und hier doch mindestens zwanzig Grad sind? Müsste es nicht tauen?“ „Meine Liebe, ganz ruhig.“ Becker sprach tief. Er stand jetzt neben ihr und umfasste sie oberhalb der Hüften, seinen Kopf hielt er noch zurück. Sein Gesicht näherte er ihrem nicht. Sie deutete ein Lächeln an, aber erkaltete fast. Die Haare Der Flaum auf ihren freien Unterarmen, den Pullover hatte sie leicht hochgekrempelt, reckten sich in den Raum wie erhabene Pflänzchen, die sich empor träumten. glänzte im Licht, das sich von der Dunstabzugshaube fallend in einem Topfdeckel spiegelte. „Ich brauche meine Jacke.“ „Aber es ist doch warm.“ „Ich...“ Sie hatte sich gelöst und ging bereits in den Flur. Becker verharrte kurz, er gedachte der dachte an die Freundin, und . Er machte ein paar Schritte, und war im Wohnzimmer. Als er begann, schneller zu atmen, schlug die feuchte Luft ihm auf den Kopf. Die Luft war feucht. Er atmete schwer. Die Gardinen schimmerten wie Rauhreif. Neben dem Sofa stand Frau Becker, und verschwand. Zu oft vergaß Becker, dass sie nicht existierte. Der Tierbändiger kratzte am Eis. Die Kuppe seines Zeigefingers, den er sich vor die Augen hielt, war nass vom Tauwasser. Becker saß auf dem Sofa. Die Freundin setzte sich neben ihn. Sie trug einen braunen Pelzmantel, der ihn an die Pferdekoppel erinnerte, an der er am Wochenende auf seinen Spaziergängen vorbeiging. Die Farbe Der Farbton des Mantels war die eines der Rosse, von Becker als Naturgott verehrt. glich dem eines der Rosse, welche Becker als Naturgötter verehrte. Die Alten alten Gottheiten hatte er abgelegt. Bevor ich das Eis verflüssigt nässe, auf den Teppich, der unterm Sofa liegt, fließt, frage ich die Freundin, dass sie nicht gehe. sage ich der Freundin, sie solle nicht gehen. „Ich...“, sagt Becker, dreht sein Gesicht. Er schaut sich im leeren Wohnzimmer um. Eine Lache auf dem Holz. Eine silberne Pfütze, die aus Höhe des Fensters geronnen ist.
Felix Krull - 13. Jun, 19:45

Das "sei" am Anfang würde ich durch ein "ist" ersetzen, Gedanken müssen nicht in indirekte Rede gesetzt werden. Das stört nur.

"obwohl die vereisten Gardinen im Wohnzimmer für Unruhe unter den Gästen sorgten"
Damit ist jetzt Spannung aufgebaut. Wenn das nicht zu einer Pointe führt, aus der hervorgeht, warum die Gardinen vereist sind und für Unruhe sorgen, werde ich enttäuscht sein.

"wie man es sich in einem Drogenkeller vorstellte"
wieso nicht "vorstellt"?

"in dreckigen Lachen"
ist das ein Tippfehler, oder geht es nicht um das Lachen sondern um die Lachen?

"wie ein verachtetes Kind"
Ungewöhnlicher Vergleich, sind die Tischbeine so wichtig? Das Bild ist viel zu stark und es passt nicht rein.

"Nun wrang Becker sein Leinenhemd über der Spüle aus"
bei einer Party? warum? wegen dem Eis? Es schmilzt aber nicht (s.u.).

„Wie kommt es, dass es nicht taut, wo doch die Heizung läuft und hier doch mindestens zwanzig Grad sind? Müsste es nicht tauen?“
warum wird nach dem Nicht-Schmelzen des Eises gefragt, anstatt nach dem Woher? Als Leser fühle ich mich durch diese Frage also etwas verarscht . Oder aber sie weiß, wo das Eis herkommt, wieso aber wird mir diese Information vorenthalten? Noch ist die Frage also offen und die Spannung bleibt bestehen. Mal sehen was draus gemacht wird.

Nach „Meine Liebe, ganz ruhig.“ erwate ich eigentlich eine weiterführende Antwort, ausweichend oder erklärend.

"sprach tief" bewusst so ausgedrückt?

"erkalten" heißt sterben, du könntest das Lächeln erkalten lassen.

"den Pullover hatte sie leicht hochgekrempelt" in Spiegelstriche setzen, sonst haut es einen aus dem Satz.

was sind "erhabene Pflänzchen"? Und wenn sie sich "empor träumen" (was ich kitschig finde), sind sie eben noch nicht erhaben.

"Sie hatte sich gelöst und ging bereits in den Flur." Es ist mehr eine Flucht, "ging" finde ich zu schwach. "Bereits" fühlt sich für mich hier auch umpassend an.

er "gedachte" ihr? Ist sie doch schon erkaltet? ;)

"schlug die feuchte Luft ihm auf den Kopf"
Luft schlägt nicht. Jedenfalls normalerweise nicht. Und feuchte Luft passt nicht zu Eis.

"Die Gardinen schimmerten wie Rauhreif."
Der Satz gehört an den Anfang.

"Neben dem Sofa stand Frau Becker, verschwand. Zu oft vergaß Becker, dass sie nicht existierte. "
Das wirkt urkomisch, sie taucht auch im Text auf, nur um nicht zu existieren.

"nass vom Tauwasser. "
jetzt taut es plötzlich doch?

"Becker saß auf dem Sofa."
nein, der steht noch im Wohnzimmer. Oder war hier ein Schnitt?

"Die Freundin setzte sich neben ihn."
nee, die steht im Flur

"Sie trug einen braunen Pelzmantel..."
jetzt erst oder schon die ganze Zeit?

"Bevor ich verflüssigt nässe"
das ist mir unverständlich. Und wo kommt jetzt der Ich-Erzähler her? Wenn man das macht, braucht man jedenfalls Gründe dafür. Und dann auch noch Präsens. Zwei krasse Wendungen im Erzählen.

"frage ich die Freundin, dass sie nicht gehe. "
sprachlich falsch, "warum" oder "ob".

"Eine Lache auf dem Holz"
Holz = Parkett? also schmilzt es doch?

"Eine silberne Pfütze"
Eine Wasserpfütze im Zimmer ist eher nicht silbern.

"die aus Höhe des Fensters geronnen ist."
"Fensterhöhe" wäre eleganter. "geronnen" führt man eher auf "gerinnen" als auf "rinnen" zurück. Das irritiert hier.

--

hab ich es mir doch gedacht. Das Eis bleibt unerklärt und ich darf mir als Leser den Grund denken. Ich habe aber keine Lust dazu, weil es sich nicht lohnt. Ich erwarte von so einer Geschichte, dass sie vollständig erdacht ist. So bleibt es also eine Szene, die nicht für sich alleine stehen kann.

Oder aber ich denk wieder zu realistisch. Aber so ein Text erzeugt bei mir realistische Erwartungshaltung.

Mir gefällt aber die Atmosphäre der Szene.

albannikolaiherbst - 16. Jun, 08:35

@ Herrn Urian zu Eis auf den Gardinen.

Sehr schön, daß Sie eine Geschichte erzählen! Sie hat auch einiges, aber bleibt in manchen Momenten unscharf, und zwar ungewollt unscharf. Ich würd mir auch überlegen, ob Sie so oft, wie Sie es hier tun, statt eines „und“-Anschlusses wirklich immer nur mit Komma anschließen.
Im einzelnen:Die Stimmung sei trotz der engen Wohnung hervorragend, dachte Becker, obwohl die vereisten Gardinen im Wohnzimmer für Unruhe unter den Gästen sorgten. Der Bürgermeister und seine Eminenzen waren da, ein ergrauter Tierbändiger aus dem Nachbardorf, den Becker von früher kannte, und einige aus Beckers aktuellem Bekanntenkreis. Die Räume waren in weiches, nicht zu helles Licht getaucht, wie man es sich in einem Drogenkeller vorstellte.

„getaucht“ paßt nicht zu „Drogenkeller“; man fällt hier aus der Beschreibung heraus.

Die Beine der hölzernen Tische, auf denen Papiertischdecken lagen, zerkratzten das Parkett, weil diese von übermütigen Gästen, die Sektgläser schwenkten und sich in dreckigen Lachen gebärdeten

: „sich in dreckigen Lachen gebärdeten“ ist nicht sehr schön formuliert

, hin- und hergeschoben wurden wie ein verachtetes Kind.

: der Vergleich leuchtet mir nicht ein. Außerdem mit dem Bezug aufpassen: „diese“ bezieht sich nämlich auf die Papierdecken; dann stimmt auch das Zerkratzen nicht.

Nun wrang Becker sein Leinenhemd über der Spüle aus:

einfach anschließen, ohne „nun“: Becker wrang aus; einfach erzählen.

, während eine Freundin ihn vom Kühlschrank aus beobachtete und einen Löffel vom Salat nahm. Weil Becker eine Essenswollust entwickeln konnte, wenn eine Frau so aß, die er außerdem begehrte

: das ist eine schöne Volte!

, machte ihn das nervös. „Das Eis auf den Gardinen“, sagte die Freundin. Becker fragte, was damit sei. „Wie kommt es, dass es nicht taut, wo doch die Heizung läuft und hier doch mindestens zwanzig Grad sind? Müsste es nicht tauen?“ „Meine Liebe, ganz ruhig.“ Becker sprach tief. Er stand jetzt neben ihr und umfasste sie oberhalb der Hüften, seinen Kopf hielt er noch zurück

: was meinen Sie d a mit?

. Sie deutete ein Lächeln an, aber erkaltete fast.

:zu dicke, vor allem mit dem Eis auf den Gardinen.

Die Haare auf ihren freien Unterarmen, den Pullover hatte sie leicht hochgekrempelt, reckten sich in den Raum wie erhabene Pflänzchen, die sich empor träumten.

:Ist sie ein Affe? Das klingt nach Männerbehaarung.

„Ich brauche meine Jacke.“ „Aber es ist doch warm.“ „Ich...“ Sie hatte sich gelöst und ging bereits in den Flur. Becker verharrte kurz, er gedachte der Freundin

: „gedachte der Freundin“ scheint mir hier zu elaboriert ausgedrückt zu sein.

, und machte ein paar Schritte, war im Wohnzimmer. Als er begann, schneller zu atmen, schlug die feuchte Luft ihm auf den Kopf.

:daß ihm Luft auf den Kopf schlägt, stimmt so, glaube ich, auch nicht. Das ist eine Art ironischer Übertreibung, die zu der übrigen Text-Aura nicht paßt; sie vergreift sich im Ton.

Die Gardinen schimmerten wie Rauhreif. Neben dem Sofa stand Frau Becker,

:schöner statt des Kommas wäre ein einfachen „und“

verschwand. Zu oft vergaß Becker, dass sie nicht existierte. Der Tierbändiger kratzte am Eis. Die Kuppe seines Zeigefingers, den er sich vor die Augen hielt, war nass vom Tauwasser. Becker saß auf dem Sofa. Die Freundin setzte sich neben ihn. Sie trug einen braunen Pelzmantel, der ihn an die Pferdekuppel

: sie meinen eine Koppewl, oder?

erinnerte, an der er am Wochenende auf seinen Spaziergängen vorbeiging.

Den folgenden Satz bitte noch mal genau abhören:

Die Farbe des Mantels war die eines der Rosse, von Becker als Naturgott verehrt. Die Alten hatte er abgelegt.

die „Alten“? Was meinen Sie hier? Und der Satz hiernach ist kryptisch. Was wollen Sie erzählen?:

Bevor ich verflüssigt nässe, auf den Teppich, der unterm Sofa liegt, fließe, frage ich die Freundin, dass sie nicht gehe. „Ich...“, sagt Becker, dreht sein Gesicht. Er schaut sich im leeren Wohnzimmer um. Eine Lache auf dem Holz. Eine silberne Pfütze, die aus Höhe des Fensters geronnen ist.

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